Hier schreibe ich - rund um Themen, die mir wie Karotten vor der Nase baumeln. Hauptsächlich Literatur, Nachhaltigkeit und Unternehmensethik [CSR].

Monday, May 25, 2009

Kontaminierte Kissen

Wer kennt sie nicht, die klassische Luftmatratze mit dem Stoffbezug in blau-rot? Wie lange gibt’s die eigentlich schon? Ich hab jedenfalls schon als Kind am Baggersee lieber auf so einer gelegen, als auf den Plastikdingern mit den scharfen Kanten. Als ich vor ein paar Wochen nach einem aufblasbaren Kissen für den Norwegenurlaub suchte, machte dann auch die blau-rote Version das Rennen. Nostalgie, denkt ihr vielleicht, und habt womöglich Recht. Zumal es ja inzwischen noch viel weichere Kissen gibt. Trotzdem, gekauft, losgefahren, in Norwegen ausgepackt und…irritiert den kleinen Beipackzettel gelesen.

Dort stand tatsächlich, man solle das Kissen bitte keinesfalls mit dem Mund aufblasen (!). Auch mit einer Ballpumpe ginge das nicht, war zu lesen. Fazit des Herstellers: man müsse schon eine extra Luftmatratzenpumpe der gleichen Marke dazu kaufen.

Nun bin ich bekannt dafür, dass ich mich an dergleichen Anweisungen gehorsam halte. Ja, ich lese auch die Beipackzettel von Arzneimitteln immer bevor ich sie einnehme – was mitunter schon dazu geführt hat, dass ich das ärztlich verordnete Medikament am Ende gar nicht genommen habe, weil ich nicht einsehen wollte, dass meine real-existierenden und medikamentös zu bekämpfenden Beschwerden gleichzeitig als mögliche Nebenwirkungen genannt werden. Aber das nur am Rande.

Ich bin schon deswegen vorsichtig bei solchen Herstellerangaben, weil sich ja inzwischen herum gesprochen hat, dass Hersteller aus unerfindlichen Gründen regelmäßig gesundheitsschädliches oder gar toxisches Zeugs in ihre Produkte tun, um irgendeinen hanebüchenen Zweck zu erreichen. Man denke nur an das Brandschutzmittel in Kopfkissen und schon ist man erleichtert, dass man im Falle eines Brandes so gut gebettet ist. Für diese Sicherheit nimmt doch wohl jeder gern das Risiko giftiger Dämpfe in der kurzen Zeitspanne vor dem Brandereignis auf sich.

Solchermaßen informiert hätte ich also wirklich gern den wohlmeinenden Anweisungen des Herstellers Folge geleistet. Nun war ich aber bereits am Urlaubsort, einer einsamen Fjordhütte im Nirgendwo, angekommen. Ich wollte das Kissen sofort benutzen. Was blieb mir anderes übrig als wie ein echter Outdoor-Rebell das Kissen doch mit dem Mund aufzublasen und eventuellen Nebenwirkungen (Lippenherpes? Zahnfäule? Asthma?) wagemutig die Stirn zu bieten. Passiert ist glücklicherweise nichts, sowohl das Kissen, als auch ich sind unbeschadet aus dem Abenteuer hervorgegangen. Ich frage mich allerdings heute noch, ob es tatsächlich ernste Gründe für diese seltsame Herstellerangabe gibt – oder ob dahinter nicht der schnöde Wunsch steht, zusätzlich zum Kissen Umsätze über den Verkauf der Pumpe zu generieren. Wie auch immer: notwendig ist die Pumpe ganz gewiss nicht, denn das Kissen ist innerhalb von Sekunden mit nur zwei Atemzügen aufgeblasen.

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Monday, February 2, 2009

Arbeitswert

Es ist schon seltsam, wie ein Gegenstand gleichsam von seiner wahren Bedeutung befreit und im selben Atemzug mit einer neuen Wertigkeit überzogen wird, bis man schließlich den eigentlichen Gegenstand in seiner Verfremdung gar nicht mehr so recht erkennen kann.

Oder woran denken Sie, wenn Sie an Arbeit denken? Ich habe sofort die Stimme von Ulrike Schramm-de Robertis im Ohr, mit der sie gestern bei Anne Will sagte, „Arbeit sei das höchste Gut.“ Sie möge mir verzeihen, wenn ich sie in diesem Sinne zitiere, doch sie befindet sich in bester Gesellschaft mit all den Politikern und Gewerkschaftsfunktionären, die sich seit Jahrzehnten der bedingungslosen Bewahrung und Erschaffung von Arbeitsplätzen verschrieben haben – koste es, was es wolle. Die Bewegung zum Schutze der gefährdeten Arbeitsplätze ist sogar so erfolgreich, dass inzwischen die Wirtschaft auf den Zug aufgesprungen ist und einmündig bekundet, auch den Unternehmen sei es nur darum zu tun, Arbeitsplätze zu sichern. Darum benötigen sie in der aktuellen Finanzkrise ja auch die Hilfe der Politik und finanzielle Unterstützung, denn sie wären ja sonst ganz gegen ihren Willen gezwungen kostbare Arbeitsplätze zu vernichten.

Überhaupt verdanken wir der Finanzkrise wunderschöne neue Denkansätze. Neulich erst gab in einer der vielen gleichförmigen Politik-Talkshows im Fernsehen ein Bankier zu bedenken, wir mögen doch bei aller berechtigten Kritik an den Banken und Finanzmärkten nicht vergessen, dass Deutschland als Exportland quasi auf die Geldvermehrung durch die Banken angewiesen sei. Seiner Logik nach war das in etwa so: jemand muss im Ausland dafür sorgen, dass genügend Geld vorhanden ist, um deutsche Produkte zu importieren und sich leisten zu können. Unsere Wirtschaft profitiere daher von aufgeblähten Geldmärkten, also von den Aktivitäten der Banken – und dies schütze die kostbaren Inlandsarbeitsplätze. Wir müssen demnach dankbar sein für die Geldvermehrung.

Man kann also schlussfolgern, dass die gesellschaftliche Bedeutung von Arbeitsplätzen heute jedem hinlänglich bekannt ist und alles zu ihrem Schutz getan wird. Wie bedauerlich nur, dass dabei die Arbeit selbst immer unerfreulicher und bedeutungsloser wird. Meine Mutter war vor ihrer Rente Altenpflegerin und stellte über die Jahre mit Bedauern fest, dass jeder Handgriff in ein enges Zeit- und Kostenkorsett gezwungen wurde, bis aus dem pflegenden Dienst am Nächsten eine lieblos zerstückelte Aneinanderreihung von gehetzten Handgriffen wurde. Gerade im Gesundheitswesen wird deutlich, wie die zunehmende Rationalisierung und Ökonomisierung dazu führt, dass betroffene Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger zunehmend nur „der Hüfte“ oder „dem Blinddarm“ begegnen, der Mensch als Individuum dabei aus dem Blick gerät. In den Schulen gibt es ähnliches zu beklagen. Dort wird seit Jahrzehnten darüber diskutiert, ob man nun Elitenförderung oder integrative Gemeinschaftsschulen benötigt, ob praktisch ausgerichtete, berufsvorbereitend-stringente und teure Bildungsgänge besser seien, als eine kostenfreie, langjährige und selbst bestimmte Geistesbildung. Während die so geführte ideologische Diskussion sich in ihrem Entweder-Oder-Denken stetig ziellos umkreist - ohne zu erkennen, dass jeweils beides seinen Platz haben muss - unterrichten weiterhin unzufriedene, erschöpfte Lehrer unter unerträglichen Bedingungen viel zu große Klassen und strömen weiterhin jedes Jahr tausende unvermittelbare Schulabgänger auf die Straßen.

Vom eigentlichen Wert der Arbeit als einem sinnstiftenden, erfüllenden Tun, durch das der Mensch seine Talente und Fähigkeiten zum eigenen und gesellschaftlichen Wohle einbringt, ist unter diesen Umständen nicht mehr viel zu spüren. KPIs und die Forderung nach krebsartigem Wirtschaftswachstum verstellen den Blick dafür, dass Arbeit ursprünglich etwas zutiefst menschliches und geradezu unökonomisches ist. Durch Arbeit könnte der Mensch erfahren, wer er ist, was er leisten kann, wofür seine Fähigkeiten eingesetzt werden können, was ihn ausmacht – wenn er nicht durch stetig steigenden ökonomischen Druck zu einer anderen Sichtweise auf die Arbeit verleitet würde. Wir behandeln uns ja schon selbst wie Maschinen und übertreffen einander mit blutlosen Überlegungen dazu, wie man den Menschen zu immer mehr Leistung motivieren könne. Eines ist gewiss: durch Kritik an seinen Fähigkeiten und mehr Druck gelingt es nicht, denn der menschliche Leistungswille lässt sich nicht mit den gleichen Formeln berechnen, wie KPis.

So sind denn die Arbeitsplätze, die in unserer Gesellschaft als kostbares Gut gepriesen werden, überwiegend keine Arbeitsplätze in diesem ursprünglichen Sinne. Es sind Einkommensplätze, Plätze im Hamsterrad der Ökonomie, notwendige Übel um weiterhin über ausreichend finanzielle Mittel für eine Teilhabe an der Gesellschaft zu verfügen und nicht ins Prekariat abzudriften. Deswegen sind sie ja selbst dann noch schützenswert, wenn sie aus ökonomischer Sicht sinnlos geworden sind. Da müssen dann Subventionen her um Arbeitsplätze zu erhalten, wenn in einer bestimmten Branche der Absatz einbricht. Böse Zungen behaupten zwar, man müsse nur die Produktion wieder an der Nachfrage am Markt ausrichten. Doch wer das sagt wird schnell mit einem Hinweis auf die Bedeutung der Arbeitsplätze für die Betroffenen zum Schweigen gebracht und gilt fürderhin als unsozial. Und so ist es in der Wirtschaft heute möglich mit jedem Unsinn Geld zu verdienen, solange man nur neue Arbeitsplätze erschafft, während so manch gesellschaftlich wertvolle Tätigkeit ungetan bleibt. Wenn man dann durch verfehltes wirtschaften das Bestehen eines Unternehmens gefährdet hat, so kann man auf Unterstützung von allen Seiten rechnen – um die kostbaren Arbeitsplätze zu erhalten. Irgendwie verdreht.

Mir persönlich wäre es lieber, wir würden der Arbeit den Sinn geben, den sie als eine schöpferische und gestaltende menschliche Kraft verdient – und den Arbeitsplätzen ein wenig ihrer künstlich übergestülpten Bedeutung wieder entziehen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Arbeitsplatz tatsächlich das höchste Gut sein kann. Als ich das letzte Mal darüber nachsann, da war das höchste Gut noch das Leben (bzw. die Gesundheit). Wenn es sich in unserer Gesellschaft heute anders darstellt, dann sollten wir uns fragen, wie das sein kann - und schleunigst umdenken.

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Meine Aussagen und Gedankengänge wurden angeregt durch folgende Quellen:

Anne Will

Forum Grundeinkommen

Arbeit und Muße






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Wednesday, October 29, 2008

Geht doch...

Was nun folgt ist polemisch, bedient sich ungeeigneter Vereinfachungen und ist überhaupt nicht objektiv. Ich weise rein vorsorglich darauf hin. Falls Sie einen ausgewogenen und gründlich recherchierten Artikel erwarten, dann lesen Sie bitte nicht weiter. Ich möchte Sie nicht enttäuschen. Was ich möchte, ist Mut machen – denn mir ist da etwas aufgefallen, das mir Hoffnung macht.

Es geht um ‚die da oben’. Ja, genau die. Die vielen namens- und gesichtslosen Mächtigen, die man nicht an der Käsetheke bei Rewe trifft und mit denen man noch nie ein Bierchen getrunken hat. Gemeint sind alle Menschen, die nach der eigenen subjektiven Empfindung mehr Macht, mehr Geld oder mehr Erfolg im Leben gehabt haben, als man selbst. Alle, auf die wir ‚hier unten’ gern mit dem Finger zeigen und Veränderungen einfordern: Politiker, Wirtschaftsbosse, Entscheider auf allen Ebenen der Gesellschaft.

Mir ist aufgefallen, dass diese Menschen tatsächlich sehr mächtig sind. Ich denke dabei an 1991, als Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte und ‚die da oben’ sich äußerst flexibel und spontan zeigten. Innerhalb weniger Monate reagierten sie mit den Militäroperationen ‚Desert Shield’ und ‚Desert Storm’ um Kuwait – und damit die hochgeschätzten Ölvorkommen dort – zu befreien.

Ich denke außerdem an die aktuelle Finanzkrise. Auch hier haben die Mächtigen schnell reagiert, tagten stundenlang am Wochenende und nächtens (zusätzlich zu ihrer sonstigen Arbeit) und haben in kürzester Zeit ein Notpaket geschnürt, um Schlimmeres zu verhindern.

Kann man beides nicht vergleichen, ich weiß. Aber im Angesicht solcher Reaktions- und Entscheidungsfähigkeit der Mächtigen bin geneigt, mich Claudia Langner anzuschließen (http://www.utopia.de/wissen/bildungsluecken/claudia-langer-wir-brauchen-einen-green-new-deal). Die beiden Beispiele zeigen doch deutlich, zu was die Mächtigen dieser Welt fähig sind. Sie haben es für Öl getan und für Geld. Dann geht es doch sicher auch für Menschen und die Umwelt. Wenn man sich mit der gleichen Entschlusskraft an die aktuellen ökologischen Herausforderungen setzen würde, der Klimawandel wäre ein Kinderspiel. Also mir macht das Mut, Ihnen nicht?

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