Nun auch im ZDF?
Nachdem ich gerade die Berichterstattung zum EU-Referendum im ‚heute journal’ gesehen habe, bin ich enttäuscht. Schon in der Anmoderation klang an, dass ein irländisches ‚Nein' zum EU-Reformvertrag auf Unverständnis stoßen würde. Dadurch aufmerksam geworden schaute ich den ganzen Beitrag und wartete dabei lange auf die Darstellung der Vertragskritiker. Diese war dann allerdings kurz und wenig objektiv. Von einigen ‚linken' und ‚nationalistischen’ Gruppierungen war die Rede, die mit ihren Parolen ‚an das Bauchgefühl’ der Wähler appellierten und Angst vor ‚den Bürokraten in Brüssel’ schürten. Einer der wesentlichen Kritikpunkte am EU-Vertrag ging dabei beinahe unter, nämlich dass er leider aufgrund der nationalen Wahlsysteme, welche eine Volksbefragung noch nicht vorsehen, nicht von der Mehrheit des europäischen Volkes legitimiert werden kann.
Stattdessen wurde ein entscheidendes Argument für den Reformvertrag gleich mehrfach wiederholt: die finanziellen Vorteile, die sich gerade für kleine Länder wie Irland durch die EU-Mitgliedschaft ergeben. Unnötig häufig kam zum Ausdruck, dass jeder einzelne Europäer ein ‚Nein’ zum EU-Reformvertrag im eigenen Geldbeutel spüren und Irland durch seine ablehnende Haltung eine bedenkliche Botschaft an Investoren senden würde.
Leider habe ich keinen Mitschnitt von der Sendung und konnte mir nicht schnell genug den genauen Wortlaut notieren. Aber sicherlich haben außer mir viele andere Menschen diesen Bericht gesehen. Bin ich die einzige, die in der Auswahl der O-Töne und den Aussagen der kommentierenden Stimmen einen Mangel an Objektivität wahrgenommen hat? Ist es inzwischen tatsächlich so, dass selbst im ZDF wirtschaftliche Interessen mehr gelten, als jene kritischen Stimmen, die völlig zu Recht darauf hinweisen, derart weit reichende Entscheidungen sollten von allen EU-Bürgern durch direkte Abstimmung getroffen werden?
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