Hier schreibe ich - rund um Themen, die mir wie Karotten vor der Nase baumeln. Hauptsächlich Literatur, Nachhaltigkeit und Unternehmensethik [CSR].

Tuesday, June 10, 2008

Nun auch im ZDF?

Nachdem ich gerade die Berichterstattung zum EU-Referendum im ‚heute journal’ gesehen habe, bin ich enttäuscht. Schon in der Anmoderation klang an, dass ein irländisches Nein' zum EU-Reformvertrag auf Unverständnis stoßen würde. Dadurch aufmerksam geworden schaute ich den ganzen Beitrag und wartete dabei lange auf die Darstellung der Vertragskritiker. Diese war dann allerdings kurz und wenig objektiv. Von einigen ‚linken' und ‚nationalistischen’ Gruppierungen war die Rede, die mit ihren Parolen ‚an das Bauchgefühl’ der Wähler appellierten und Angst vor ‚den Bürokraten in Brüssel’ schürten. Einer der wesentlichen Kritikpunkte am EU-Vertrag ging dabei beinahe unter, nämlich dass er leider aufgrund der nationalen Wahlsysteme, welche eine Volksbefragung noch nicht vorsehen, nicht von der Mehrheit des europäischen Volkes legitimiert werden kann.

Stattdessen wurde ein entscheidendes Argument für den Reformvertrag gleich mehrfach wiederholt: die finanziellen Vorteile, die sich gerade für kleine Länder wie Irland durch die EU-Mitgliedschaft ergeben. Unnötig häufig kam zum Ausdruck, dass jeder einzelne Europäer ein ‚Nein’ zum EU-Reformvertrag im eigenen Geldbeutel spüren und Irland durch seine ablehnende Haltung eine bedenkliche Botschaft an Investoren senden würde.

Leider habe ich keinen Mitschnitt von der Sendung und konnte mir nicht schnell genug den genauen Wortlaut notieren. Aber sicherlich haben außer mir viele andere Menschen diesen Bericht gesehen. Bin ich die einzige, die in der Auswahl der O-Töne und den Aussagen der kommentierenden Stimmen einen Mangel an Objektivität wahrgenommen hat? Ist es inzwischen tatsächlich so, dass selbst im ZDF wirtschaftliche Interessen mehr gelten, als jene kritischen Stimmen, die völlig zu Recht darauf hinweisen, derart weit reichende Entscheidungen sollten von allen EU-Bürgern durch direkte Abstimmung getroffen werden?


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Thursday, June 5, 2008

The story of stuff - All unser Krempel

Einer meiner liebsten Kurzfilme ist 'The story of stuff' von Annie Leonard. Das liegt zunächst am Thema, denn es geht um unseren aktuellen Wirtschafts- und Konsumkreislauf und warum er mittlerweile an seine Grenzen stößt und verändert werden muss. Außerdem geht es darum, daß er in vielen Punkten wahnwitzig unlogisch ist und den Menschen, ebenso wie der Erde, Schaden zufügt.

Aber abgesehen vom Thema liebe ich den Erzählstil von Annie Leonard. Er ist locker, persönlich, emotional und anschaulich - nicht zuletzt durch die wunderbar animierten Strichzeichnungen, die einen abwechselnd erheitern und traurig machen. Man kann nämlich sehr wohl so komplexe Zusammenhänge wie unseren Konsumkreislauf verständlich, bildhaft und mit Humor darstellen.

Wir müssen nicht Wirtschaftswissenschaften studiert haben um zu erkennen, daß einiges am aktuellen System schlicht unsinnig ist. Wir müssen auch keine Biologen oder Klimaforscher sein um zu verstehen, daß unser bisheriges Verhalten unsere Lebensgrundlagen auf diesem Planeten zerstört. Falls Sie sich also immer schon mal gefragt haben, wo all unser Krempel herkommt und wo er hingeht, wenn wir ihn nicht mehr brauchen, sollten Sie diesen Film ansehen. Er dauert ungefähr 20 Minuten und ist zur Zeit nur auf Englisch verfügbar. Es gibt allerdings auf

http://www.utopia.de/wissen/bildungsluecken/


auch eine kurze Zusammenfassung mit 10 Tipps für Ihren Alltag auf Deutsch. Falls jemand eine synchronisierte Fassung des Films (ohne Untertitel) auf Deutsch herstellen möchte - ich bin sofort dabei! Aber vielleicht gibt es sie ja auch schon und ich habe sie nur noch nicht gefunden?

Hier nun der Film:



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Sunday, June 1, 2008

Utopien von gestern

Gestern habe ich „I, Robot“ von Alex Proyas gesehen und bin etwas irritiert. Der Film ist aus dem Jahre 2004 und spielt im Jahre 2035. Aus heutiger Sicht (2008) also 27 Jahre in der Zukunft. Natürlich darf davon ausgegangen werden, dass die rasante technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte ungebremst weiter voran schreitet. Ich hätte nichts anderes erwartet und so sind im Jahre 2035 die Unterhaltungsgeräte realistischerweise sprachgesteuert und der Individualverkehr wurde in unterirdische Autobahntunnel verlagert, wo er viel schneller fließen kann und aufgrund der eingesetzten Autopiloten auch gar nicht mehr so individuell ist. Ebenso einleuchtend wird dem Filmzuschauer sein, dass der Gebäudekomplex der U.S. Robotics Corporation durch den Supercomputer V.I.K.I. gesteuert und gesichert wird und das diese V.I.K.I. über ein positronisches Gehirn verfügt. Natürlich gibt es auch Hologramme, Naniten und Roboter mit Träumen und Emotionen. Science Fiction halt. Nicht weiter aufregend.

Umso aufregender, dass sich im Bewusstsein der Menschen wieder einmal nichts getan hat. Reduziert auf die zwischenmenschliche Interaktion der Protagonisten Spooner und Calvin hätte das Filmchen auch gut 1984 spielen können. Die Psychologin Dr. Calvin kommt als verkopfte Rationalistin daher und scheint emanzipatorisch knietief in der Vergangenheit stecken geblieben zu sein. Etwa in der Zeit, als man tatsächlich noch glaubte, eine Frau müsse für den beruflichen Erfolg noch emotionsloser und härter werden als ein Mann. Detective Spooner verkörpert in gleicher Manier den obsessiv-cholerischen Cop à la Stingray, Starsky oder Hutch, den wir aus vielen U.S. amerikanischen Filmen schon so gut kennen. Er ist geschieden, macht zynische Bemerkungen über seine Ex-Frau und geht im Zweifel lieber zum Dienst um mit der Waffe herumzuballern, als seine emotionalen Probleme zu lösen.

Nun bin ich ein verständiger Mensch und kann ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, dass Hollywood-Filme mit Stereotypen spielen und mit ermüdender Regelmäßigkeit Klischees recyceln. Schließlich wollen sie ihre Produktionskosten wieder einspielen und brauchen dafür ein großes Publikum. Doch ich hoffe sehr, dass sich die Menschheit in den nächsten 27 Jahren nicht nur technologisch, sondern auch geistig, sozial und emotional weiterentwickelt. In meiner ganz persönlichen Zukunftsvision nämlich spielen Emanzipationsfragen überhaupt keine Rolle mehr und psychisch labile Männer tun nicht weiterhin Dienst an der Waffe. Der bereits heute spürbare Wertewandel in der Arbeitswelt kann hoffentlich bald dazu beitragen, dass das menschliche Wohlbefinden höher bewertet wird, als Produktivität und Profit. Wieso nur findet dergleichen Social Fiction so selten den Weg ins Hollywood-Kino?

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Sunday, May 18, 2008

Alt - Sein - Werden?

„Die zweite Hälfte seines Lebens verbringt der Weise damit, sich von den Torheiten, Vorurteilen und irrigen Ansichten zu befreien, die er sich in der ersten zu Eigen gemacht hat.“ (Jonathan Swift)

Mit dem Alter ist es so eine Sache. Die Jungen wie die Alten haben eine Meinung dazu und überall lauern als Klischee getarnte Vorurteile. Wie stellt Ihr Euch eine 70jährige vor? Welches Bild seht Ihr vor Eurem inneren Auge? Geht sie gebeugt am Stock, sagt solche Dinge wie „Früher war alles besser“ und jammert endlos über ihre körperlichen Zipperlein? Das wäre ein Klischee. Oder geht sie ins Fitness-Center, sagt Dinge wie „Früher war ich verklemmt, heute kann ich den Sex unbefangen genießen!“ und berichtet mit leuchtenden Augen über ihre neue Liebschaft? Das wäre auch Realität.

Beides habe ich erlebt und seither bin ich nicht mehr sicher, ob nicht jede pauschale Aussage über „das Alter“ eine unzulässige Verallgemeinerung wäre. Ja, es scheint so, als würde heutzutage alles später stattfinden – die Leute heiraten später, kriegen ihre Kinder später, sehen auch mit 50 noch knackig aus und freuen sich mit 60 darauf als Rentner endlich Zeit für ihre neuen Hobbies zu haben. Und ja, es gibt auch unangenehme Auswüchse dieser Entwicklung. Zu Beispiel botox-gespritzte, oberflächliche Mittvierziger im Jugendwahn, die sich immer noch wie Twens benehmen.

Aber sind das Zeichen der Zeit? Oder ist es vielleicht nur so, dass wir im 21. Jahrhundert mehr Möglichkeiten haben, auf unsere ganz individuelle Weise zu leben und zu altern?


Meine Oma ist übrigens schon weit über 70 Jahre alt. Sie gehört zu keiner der eingangs beschriebenen Gruppen. Sie geht weder ins Fitness-Center, noch gebeugt. Weder über ihre Zipperlein, noch über ihre Sexualität verliert sie viele Worte. Sie lebt mit ihrem Mann und sechs Katzen auf einem Hof in Niedersachsen, hat gerade ihre Diamanthochzeit gefeiert und benimmt sich in ganz vielen Dingen wie eine ganz typische Oma: sie snackt Platt, kocht Quittengelee, backt Rhabarberkuchen, gräbt die Gemüsebeete um und hat gern ihre Enkelkinder um sich. Den Katzen gibt sie übrigens ganz wunderbare sprechende Namen, wie Grisegrau, Krawallo und Naseweiß.

Und trotzdem gibt es – außer dem göttlichen Quittengelee und der Diamanthochzeit – noch etwas anderes an meiner Oma, das mir gehörigen Respekt abverlangt. Etwas, dass viele junge Menschen nicht gebacken kriegen. Nämlich die Fähigkeit, auch noch in der zweiten Lebenshälfte ihre auf Erfahrungen basierenden Überzeugungen zu hinterfragen und ihre Sichtweise noch einmal grundlegend zu verändern. So ist heute eine ihrer besten Freundinnen eine Polin, obwohl meine Oma aus dem zweiten Weltkrieg einige ganz besonders böse Ansichten über die Polen mitgebracht hatte. Ich finde, das macht doch Mut und kann Vorbild sein. Soll doch jeder auf seine ganz eigene Weise älter werden, denn:


„Man wird sich nicht alt fühlen, solange man sein Werden empfindet.“ (Simonares)

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Friday, April 18, 2008

Lesen, verstehen, behalten

"Was immer Du schreibst - schreibe kurz, und sie werden es lesen; schreibe klar, und sie werden es verstehen; schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten"

(Joseph Pulitzer)

Okay, das mit der Kürze gelingt mir nicht immer - aber immer öfter. Und auch hier im Blog möchte ich mich kurz fassen, Erlebnisse aus dem Alltag oder auch Ideen aufgreifen, von ein paar Seiten betrachten und dann liegen lassen. So wie dieses Pulitzer-Zitat.

Das Thema bildhafte Sprache hatten wir schon, unterschreibe ich jederzeit. Aber schon bei der Klarheit läßt sich trefflich diskutieren. Wie klar soll es denn sein? Mit jeder Vereinfachung geht doch dem Text auch ein Stück Information und Eigenart verloren, oder nicht? Und manche komplexen wissenschaftlichen Zusammenhänge lassen sich vermutlich gar nicht auf einige einfache Sätze herunterbrechen, oder doch? Meine These dazu: es kommt immer darauf an, wie tief man in ein Thema eingedrungen ist (knöcheltief, knietief, bis zu den Ohren...) und ob und von wem man überhaupt verstanden werden will.

Deswegen sind dann manche Texte auch mal etwas länger, denke ich. Und das ist ganz gut so.

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