Hier schreibe ich - rund um Themen, die mir wie Karotten vor der Nase baumeln. Hauptsächlich Literatur, Nachhaltigkeit und Unternehmensethik [CSR].

Wednesday, September 2, 2009

CDU und FDP unwählbar


Einmal im Jahr gehe ich zu einer kleinen Demo, das ist eine lieb gewordene Gewohnheit aus Studententagen. Eine kleine hutzelige Demo mit weniger als fünfhundert Teilnehmern sollte es sein, sonst wird es zu unpersönlich. Außerdem sollte man das Anliegen der Demonstrierenden für absolut unterstützenswert halten. Was man davon hat? Das gute, warme Wir-retten-die-Welt-Gefühl im Bauch, wenn man klatschend und johlend herum steht und platte Parolen ruft. Da geht nix drüber. Weitere Anreize: der vom auf dem Bürgersteig Herumsitzen dreckverschmierte Hosenboden mit Kaugummiresten, vom Klatschen gut durchblutete Handflächen, Training der für das Pfeifen auf zwei Fingern notwendigen Muskeln, sowie mitunter konkrete Wahlentscheidungshilfen, die sich aus Podiumsdiskussionen mit Regionalpolitikern ergeben.


So war es auch in diesem Fall. Ich war bei der Aktion „Auf Endlagersuche“ von campact e.V. in Bremen. Ein vermeintlicher Castorbehälter auf einem 40-Tonnen-LKW rollt derzeit durch zwölf deutsche Städte, begleitet von Atomkraftgegnern mit gelben Tonnen, weißen „Schutz“-Anzügen, Gesichtsmasken und knatternden Geigerzählerattrappen. Gesucht wird nach einem geeigneten Endlager für radioaktive Stoffe, die in unseren Atomkraftwerken anfallen. Ziel der Aktion: die Atomlobby an ihrer Achillesferse packen – der ungelösten Endlagerung des Jahrmillionen strahlenden Atommülls – und damit den von CDU und FDP angepeilten Ausstieg aus dem Ausstieg zunichte zu machen.


Wie zu erwarten war, brachte auch die Probebohrung auf dem Bremer Marktplatz (direkt vor Roland und Bürgerschaft) ein negatives Ergebnis. Die Erleichterung darüber hielt sich jedoch in Grenzen, denn schon kamen die Politiker zu Wort und sprachen von den Sachzwängen, denen wir uns heute zu stellen haben. Ja, genau, das sind die Rahmenbedingungen, die es heute gar nicht gäbe, wenn andere Politiker nicht vor vielen Jahren und Jahrzehnten, mit Hinweis auf damals vorhandene Sachzwänge, die Wünsche der Bevölkerung übergangen hätten.


Ein Killerargument war, dass wir heute nun einmal Atomkraftwerke betreiben und deswegen ein Endlager für den dort anfallenden Atommüll zwingend brauchen. Das ist zumindest in der Sache richtig, auch wenn es uns nicht am Atomausstieg hindern kann. Das nächste Argument war, aufgrund unseres hohen Strombedarfs bräuchten wir Kernkraft als Übergangslösung – zumindest bis erneuerbare Energien in ausreichendem Umfang verfügbar seien – sonst bestünde die Gefahr von Versorgungsengpässen. Dazu war aus der CDU-Ecke zu vernehmen, wir hätten ja schließlich alle Handys und Fernseher, womit wir die denn betreiben wollten, abschalten würden wir die ja wohl kaum. Überrascht schien der Herr von der CDU daraufhin über den Applaus zu diesem Vorschlag. Offenbar war die Mehrheit der Anwesenden durchaus einsichtig: Ja, wir würden auch unser Verhalten ändern und weniger Strom verbrauchen, wenn das dazu beitragen würde, die AKWs endlich vom Netz zu nehmen. Der Herr von der CDU war der Meinung, das sähe die restliche Bevölkerung aber ganz anders. Anscheinend hat es sich in CDU und FDP noch nicht herum gesprochen, dass inzwischen weite Teile der Bevölkerung durchaus zugunsten der Umwelt auf ein gewisses Maß an Komfort verzichten würden.


Lustig wurde es, als der Herr von der FDP meinte, Atomstrom sei zukunftsfähig weil klimaneutral (bzw. CO2-neutral). In der abschließenden Fragerunde darauf angesprochen, wie er denn darauf käme, verwies er auf die Systemgrenzen – allerdings ohne zu erwähnen, dass bei Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Kraftwerkes (vom Bau, über den Betrieb, bis zum Abriss inkl. aller Folgekosten) Atomenergie keinesfalls klimaneutral ist (weitere Informationen unter http://idw-online.de/pages/de/news331222).

Überhaupt war die abschließende Fragerunde ein Meisterstück. Meinen Hut ziehe ich vor dem Moderator und Leiter der Diskussion, Christoph Bautz von campact e.V., der das Ganze äußerst sympathisch und professionell durchgezogen hat. Doch nicht einmal er konnte verhindern, dass einige Demonstrationsteilnehmer das Mikrofon nur deswegen ergreifen, um auch einmal ausgiebig zu Wort zu kommen, ohne allzu viel Substanzielles zu sagen zu haben. Besser wäre gewesen, den Politikern wirklich zuzuhören und am Ende durch ernst gemeinte, sachkundige Fragen die wankenden Argumentationsbauten der Atombefürworter zum Einstürzen zu bringen.


Mein persönliches Fazit: ich rechne den Herren von FDP und CDU hoch an, sich dieser Diskussion gestellt zu haben. Trotzdem sind FDP und CDU für mich dieses Jahr absolut unwählbar. Man hat dort die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt und setzt weiterhin auf Atomenergie, ohne die berechtigten Argumente und Sorgen der Atomgegner ernst zu nehmen. Kein Zeichen von Einsicht in die Notwendigkeit einer Energiewende. Wer gegen Atomenergie ist, kann in diesem Jahr CDU und FDP nicht guten Gewissens wählen.

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Saturday, June 28, 2008

Skinner: Walden Two (Futurum Zwei) und der 4-Stunden-Arbeitstag

Dies ist keine Rezension. Aber nachdem ich gerade Skinners Roman "Futurum Zwei [Walden Two] - Die Vision einer aggressionsfreien Gesellschaft" gelesen habe bin ich etwas aufgewühlt und überrascht. Zunächst darüber, dass das Buch bereits 1948 erschien. Aber ganz besonders darüber, wie wenige der dort bereits angedachten Innovationen heute unsere Arbeitswelt bereichern.

In Futurum Zwei arbeitet jedes Mitglied der Gemeinschaft an 4 Stunden des Tages für Werkguthaben. Richtig, nur 4 Stunden. Das heisst die Mitglieder gehen zur Arbeitsverteilung und suchen sich eine Tätigkeit aus, die ihren Fähigkeiten und Wünschen, aber auch ihrer Tagesstimmung entspricht. Wie z.B. die Besucher, die im Roman für 10 Werkguthaben Fenster putzen (Bewertung 1,2 - leichte Tätigkeit, keine besondere Erfahrung vorausgesetzt), um sich für die Gastfreundschaft erkenntlich zu zeigen und gleichzeitig am Experiment Futurum Zwei auch persönlich teilzunehmen. Als Gegenleistung für dieses erarbeitete Werkguthaben nutzen alle Mitglieder die Gefälligkeiten des Gemeinwesens: Kost und Logis, ärztliche Behandlung, Weiterbildungsmöglichkeiten, verschiedene Freizeitaktivitäten aus Sport, Kultur und Kunst. Und trotz all der Aktivität mangelt es nicht an Muße, Entspannung und innerer Einkehr.

Arbeit, das heissst in Futurum Zwei für alle, auch für Planer und Manager, ein gewisses Maß an körperlichen Tätigkeiten und ich schreie laut 'Hurraa!' wenn ich so etwas lese. Denn das hat doch durchaus mehr Sinn, als wenn wir heute bei einer Wochenarbeitszeit von 50 oder mehr Stunden unsere gesunde Dosis an körperlicher Bewegung in Fitness-Centern zukaufen müssen. An der Stelle fiel mir auch wieder eines meines liebsten Zitate von Henry David Thoreau ein, das ich hier unbedingt unterbringen muss, weil es sich aus heutiger Sicht so schön bissig ausnimmt:

"Ich bin der Ansicht, mein körperliches und geistiges Wohlbefinden allein deshalb zu erhalten, weil ich jeden Tag wenigstens vier, üblicherweise aber sogar mehr Stunden damit zubringe, in völliger Freiheit von jedweden Anforderungen der Welt durch den Wald sowie über Hügel und Felder zu streifen. Sicher wird man mich nun fragen, woran ich hierbei denke. Manchmal denke ich daran, dass die Handwerker und Krämer sich nicht allein des Vormittags, sondern auch während der Nachmittage in ihren Werkstätten und Läden befinden, davon viele zudem noch mit übereinandergeschlagenen Beinen – gerade so, als wären Beine nicht zum Stehen und Laufen, sondern zum Sitzen erschaffen worden –, und dann denke ich, man müsse diesen Leuten eine Art von Anerkennung zubilligen, weil sie ihrem Leben nicht schon vor langer Zeit ein Ende gesetzt haben." [Henry David Thoreau, 1817 - 1862]

Ich will einräumen, dass mir nicht alles an Futurum Zwei geheuer ist. Wieso Dankbarkeit abgelehnt wird, kann ich nicht nachvollziehen. Auch Fraziers Abneigung gegen die Anerkennung von persönlichen, herausragenden Leistungen riecht heute überholt. Ich kann nicht finden, dass in der Anerkennung von Leistung bei einer Person auch implizit die Herabsetzung einer anderen Person enthalten wäre. Aber sei's drum.

Einige der dort dargestellten Lösungsansätze wären durchaus geeignet, uns bei aktuellen Problemen zu helfen. Es ist doch kaum einzusehen, dass heute ein Teil der Bevölkerung unfreiwillig 40, 50, 60 oder gar noch mehr Wochenstunden arbeitet und dabei starkem Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt ist, während ein anderer Teil unserer Bevölkerung unfreiwillig ohne entlohnte Tätigkeit lebt und dabei starkem sozialen und wirtschaftlichen Druck ausgesetzt ist. Da gibt es doch sicherlich intelligentere Lösungen, die nicht an simplen Verteilungsfragen hängen bleiben oder auf Gleichmacherei setzen. Ich für meinen Teil kann mir einen 4-Stunden-Arbeitstag mit freier Wahl der Tätigkeit sehr wohl vorstellen. Und das nicht etwa, weil ich besonders faul wäre. Sondern vielleicht eher, weil ich mir erlaube die Welt auch einmal ganz anders zu sehen, als sie heute noch ist.

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Wiener Appell - Demokratisierung der EU

Im Nachgang zu meinem letzten Artikel hier bin ich auf den Wiener Appell aufmerksam geworden. Ziel der Initiative ist es, die EU-Bürgerschaft zu mobilisieren und möglichst viele Willensbekundungen von EU-Bürgern zu sammeln, um sich damit in Brüssel für eine Demokratisierung der Europäischen Union einsetzen zu können.

Nun ist der Zweck meines Blogs nicht, für politische Initiativen zu werben - zumal ich persönlich die Politik nicht als meine bevorzugte Handlungsebene ansehe. Politisch sitze ich da zwischen einigen Stühlen und halte es noch am ehesten mit Götz Werner, der einmal sinngemäß in Hannover sagte, wir sollten nicht von den Politikern die zukunftsweisenden und nachhaltigen Antworten auf die Herausforderungen unserer Tage erwarten, sondern uns unser eigenes Bild machen und dann unseren Volksvertretern mitteilen, wie wir uns unsere Gesellschaft vorstellen, damit sie es entsprechend umsetzen können.

Ich bin also sehr dafür, die Menschen selbst zu fragen was sie wollen. Auch wenn es um die zukünftige Gestaltung Europas geht. Und deswegen auch hier der Hinweis auf den Wiener Appell - allerdings verknüpft mit der Bitte, wirklich gründlich die Texte zu lesen bevor ihr etwa die Willenserklärung unterschreibt.

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Saturday, May 24, 2008

Nachhaltigkeit – Ankunft und Aufbruch

Meine erste schriftlich dokumentierte Begegnung mit dem Begriff ‚Nachhaltigkeit’ lässt sich auf den Mai 1998 zurück datieren. In meinen Unterlagen aus dem Soziologieseminar taucht er zum ersten Mal auf – zunächst noch auf Englisch: ‚sustainable’. Der Titel der Veranstaltung: „Sustainable City – zukunftsorientiertes Modell für Städte und Gemeinden“.


Dieses Thema muss einen wahrhaft nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen haben, denn ich weiß noch heute – fast zehn Jahre später und ohne auf Bildmaterial zurückreifen zu können – dass das Seminar im SoWi-Gebäude in der Seminarstrasse in Osnabrück stattfand, ich in der hinteren Reihe in der Mitte saß und an jenem Tag die Sonne schien. Ich erinnere mich auch an meine Begeisterung für das Thema. Es war ein bisschen so, als ob man ankommt und endlich aufbricht - zur gleichen Zeit. Ein Gefühl, das sicher viele von Euch kennen und das man oft bekommt, wenn man mit einer vagen Idee schon länger unbewusst schwanger gegangen ist und nun auf andere stößt, die sie schon ausgearbeitet haben.

Soweit zu meinen nostalgischen Erinnerungen an die Studienzeit. Was ich an jenem Tag im Mai 1998 noch nicht wusste war, dass die Idee der Nachhaltigkeit nicht wirklich neu war und ihre Wurzeln in Deutschland zu finden sind. Schon im Jahr 1713 taucht der Begriff bei Hans Carl von Carlowitz mit Bezug zur Forstwirtschaft auf. Er nutze den Begriff ‚nachhaltend’ damals im Sinne von ‚dauerhaft’ und ‚erhaltend’ und es ging vor allem darum, die nachwachsende Ressource Wald nur in dem Maß zu bewirtschaften und zu nutzen, in dem sie sich auch regenerieren kann. Sein Ziel war es die Rohstoffversorgung auch für nachfolgende Generationen zu sichern, denn man brauchte sehr viel Holz für den Bergbau. Neben der durchaus vorhandenen ökologischen Komponente war also die Ökonomische von Anfang an als treibende Kraft mit von der Partie.


Der ökologische Aspekt wurde dann durch den im Jahre 1972 erschienenen Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Clubs of Rome (http://www.clubofrome.org) deutlich gestärkt. Der Bericht zeigt anhand verschiedener Hochrechnungen, dass bei unverändertem Wachstum und Verhalten der Menschheit der ökologische Kollaps nicht aufzuhalten sei. Nachhaltigkeit erscheint hier erstmalig im globalen Kontext als ein mögliches Leitbild zum Erreichen eines weltweiten Gleichgewichtszustands. Dabei wird das Konzept Nachhaltigkeit um eine soziale Komponente ergänzt, denn im Bericht wird auch auf die Notwendigkeit eines umfassenden Wertewandels und sozialer Innovationen hingewiesen.

Der inzwischen weithin bekannte Begriff Nachhaltigkeit – Sustainability – wird 1987 im Brundtlandbericht „Our common future“ wie folgt definiert:

"Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs."

Zu Deutsch:

„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen."


1992 schließlich, auf der UNO Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, wurde die Agenda 21 verabschiedet und das Konzept der Nachhaltigkeit zum Leitbild erklärt. Zugleich werden mit dem Ziel einer weltweiten nachhaltigen Entwicklung konkrete politische Handlungsempfehlungen für die drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziale Gerechtigkeit formuliert. Ein beachtlicher Schritt.

In meinen Notizen aus dem Jahre 1998 liest sich das dann so:

  • Alte Denkmuster: zunächst einen der 3 Aspekte (Ökologie, Ökonomie, soziale Gerechtigkeit) in Angriff nehmen, dann die anderen daran anpassen.
  • Neuer Weg: Interaktion und Verknüpfung zwischen den 3 Bereichen schon in der Planungsphase (Prävention statt Reparatur)
  • Nachhaltige Entwicklung als konsens-stiftende Lehrformel
  • Wirtschaftliches Wachstum so umgestalten, dass weder die Ökologie noch die soziale Gerechtigkeit darunter leiden
  • Zunehmende Hinterfragung des geltenden Wirtschaftssystems und der vorherrschenden Lebensweise (Produktionsformen, Werte…)
  • Nachhaltiges Wirtschaften erfordert ein neues Gesellschaftsmodell


Heute, fast zehn Jahre später, ist aus dem Begriff Nachhaltigkeit ein medienwirksames Schlagwort geworden, das viele im Munde führen ohne die Bedeutung zu kennen. Immer noch gibt es Geschäftsleute, die ‚nachhaltig’ sagen und ‚durchgreifend’, ,effektiv’ oder ‚wirksam’ meinen. In der anderen Richtung wird Nachhaltigkeit heute teilweise in einem holistischen Sinne verwendet, der neben ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten auch kulturelle und spirituelle Aspekte integriert (siehe: Tiefenökologie). So nimmt er den Weg fast jedes Begriffes der Popularität erlangt und wird inzwischen sogar im Rahmen von ‚Greenwashing-Kampangen’ von Unternehmen eingesetzt, deren Geschäftsgebaren alles andere als nachhaltig ist.

Doch unabhängig davon was der Zeitgeist aus dem Begriff Nachhaltigkeit gemacht hat und noch machen wird – die entscheidene Frage für uns alle ist doch: wie lebt man nachhaltig? Wie können wir nachhaltige Überzeugungen in unseren Alltag integrieren? Dazu gibt heute viele Möglichkeiten, aber auch aufgrund der vielfältigen Angebote eine neue Verwirrung. So gibt es einen eigenen 'Lifestyle of Health and Sustainability' (LOHAS) und die neuen Ökos (engl. auch new greens) tragen Kleidung von American Apparel statt Jutetaschen, kaufen bei Manufaktum, Demeter oder Bioland. Auf der anderen Seite gibt es die Tendenz zu neuem Konsumverzicht und Aussteiger, die nur jenseits urbaner Lebensformen in alternativen EcoVillages eine nachhaltige Zukunft sehen.


Trotzdem. Noch nie zuvor gab es so viele Menschen, für die der Grundsatz der Nachhaltigkeit eine sinnvolle und befriedigende Lebensorientierung bedeutet. Und ich freue mich festzustellen: das fühlt sich ein bisschen so an, als ob man ankommt und endlich aufbricht – zur gleichen Zeit.



Quellen:

Barbara Becker. „Sustainability Asssessment: A Review of Values, Concepts and Methodological Approaches.” (1997) http://www.worldbank.org/html/cgiar/publications/issues/issues10.pdf

Tanja von Egan-Krieger. „Theorie der Nachhaltigkeit und die deutsche Waldwirtschaft der Zukunft.(2005)
http://umwethik.botanik.uni-greifswald.de/diplomarbeiten/dipl_egan-krieger.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit

http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltige_Entwicklung

http://en.wikipedia.org/wiki/Brundtland_Commission#Brundtland_Report

http://www.lohas.de/

http://www.nachhaltigkeit.info/

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Sunday, April 27, 2008

!NOW-Treffen in Hamburg

Am 19./20. April 2008 fand das nunmehr dritte !NOW-Treffen statt, nach Berlin und Hannover dieses Mal in Hamburg. Treffpunkt war das Café Knallhart auf dem Universitätsgelände (www.knallhart.anti.de/). Eine urige Location, die aber auch das letzte Fünkchen an rebellischer Weltverbessererenergie bei allen Anwesenden freigesetzt haben dürfte – schließlich war das Café schon 1987 bei Studentenstreiks besetzt worden und dient seither in studentischer Selbstverwaltung nachfolgenden Studierendengenerationen als Denk- und Seinsfreiraum. Wer hier nicht mutige neue Gedanken denkt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.



Wer oder was ist aber nun !NOW? Keine Sorge, das ist keine Wissenslücke. !NOW ist nämlich bislang ‚nur’ eine Idee. Eine Idee, die von ca. 10 – 20 Menschen vor etwa einem Jahr auf Xing (www.xing.com) in einem Diskussionsforum zum ersten Mal gedacht wurde und seither diese Menschen immer wieder motiviert, sich in Foren, am Telefon oder bei realen Treffen über diese Idee auszutauschen und sie weiter zu tragen. Die Grundidee ist denkbar einfach.

Sie entstand – nach heftigen Diskussionen – aus der Frage, was es denn sei, das alle Umweltaktivisten, Politiker, NGOs, Parteifunktionäre, Lobbyisten, Christen, Muslime, Buddhisten, Juden, Männer, Frauen und Kinder (also schlicht alle Menschen) unter dem Strich, trotz aller religiösen oder gesellschaftlichen Unterschiede, gemeinsam haben. Welches Bestreben, welches Ziel teilen alle Menschen? Die Antwort war unglaublich einfach:

Alle Menschen wollen ein möglichst gutes Leben leben.

Was uns sofort zur nächsten Frage führte. Nämlich der Frage, was man dazu braucht. Auch hier war die Antwort im Grunde denkbar einfach:

Alle Menschen brauchen zum Leben sauberes Wasser, gesunde Nahrung und reine Luft.

Selbstverständlich war auch diese Antwort heftig umstritten. Was war schließlich mit dem Arbeitsplatz, dem geregelten Einkommen, einem Dach über dem Kopf, der Liebe oder auch dem fahrbaren Untersatz oder dem Handy? Doch wenn man es sich einmal richtig überlegt dann sind alle anderen menschlichen Bestrebungen und Ziele nur dann wirksam und sinnvoll, wenn man lebendig ist. Und das ist man nur, wenn man genügend Wasser, Nahrung und Luft hat. Ohne diese Lebensgrundlagen stirbt ein Mensch nach wenigen Tagen, bei Sauerstoffmangel sogar innerhalb weniger Minuten.

Zugegeben, diese Erkenntnis allein mag auf den ersten Blick nichts Neues sein. Das weiß doch schließlich jeder. Nur leider ist es den wenigsten Menschen in ihrem Alltag bewusst. Andernfalls wäre es kaum zu erklären, das wir Menschen seit vielen, vielen Jahrzehnten mit solch großer Gleichmut und Unbekümmertheit eben diese Lebensgrundlagen im Alltag gering achten und sogar weltweit systematisch zerstören.

Die Grundidee von !NOW war nun folgende:

Wenn nun immer mehr und mehr Menschen in ihrem Alltag die Lebensgrundlagen Wasser, Nahrung und Luft so behandeln würden, wie sie es ihrer überlebenswichtigen Bedeutung nach verdient hätten – was wäre dann? Würden wir dann noch so schludrig mit unseren Lebensgrundlagen umgehen? Wohl kaum! Wenn alle Menschen ihr Denken und ihr Handeln in absehbarer Zeit auf die menschenweite Bewahrung der Lebensgrundlagen ausrichten würden, dann hätte das aller Wahrscheinlichkeit nach eine zutiefst transformierende Wirkung auf die Gesellschaft. Man braucht sich nur mal kurz vorzustellen was dann alles über kurz oder lang nicht mehr möglich wäre. Versuchen Sie es einmal, stellen Sie sich eine Gesellschaft vor, die die Bewahrung der Lebensgrundlagen in allen Gesellschaftsbereichen verinnerlicht hat! Wie sähe eine solche Gesellschaft aus?

Nun, auch auf dem Dritten !NOW-Treffen wurden die möglichen Folgen, die Visionen und Illusionen, die möglichen Schritte zur Umsetzung und die nächsten Aktionen wieder lebhaft diskutiert. Auch wenn wir alle ohne Wasser, Nahrung und Luft nicht überleben können, so gibt es doch unterschiedliche Vorstellungen darüber, was wir als nächstes tun sollten.



Aber darüber berichte ich dann in einem anderen Artikel. Wer sich in der Zwischenzeit für !NOW interessiert ist herzlich eingeladen im Xing-Forum vorbeizuschauen:


www.xing.com/net/now


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