Gestern habe ich „I, Robot“ von Alex Proyas gesehen und bin etwas irritiert. Der Film ist aus dem Jahre 2004 und spielt im Jahre 2035. Aus heutiger Sicht (2008) also 27 Jahre in der Zukunft. Natürlich darf davon ausgegangen werden, dass die rasante technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte ungebremst weiter voran schreitet. Ich hätte nichts anderes erwartet und so sind im Jahre 2035 die Unterhaltungsgeräte realistischerweise sprachgesteuert und der Individualverkehr wurde in unterirdische Autobahntunnel verlagert, wo er viel schneller fließen kann und aufgrund der eingesetzten Autopiloten auch gar nicht mehr so individuell ist. Ebenso einleuchtend wird dem Filmzuschauer sein, dass der Gebäudekomplex der U.S. Robotics Corporation durch den Supercomputer V.I.K.I. gesteuert und gesichert wird und das diese V.I.K.I. über ein positronisches Gehirn verfügt. Natürlich gibt es auch Hologramme, Naniten und Roboter mit Träumen und Emotionen. Science Fiction halt. Nicht weiter aufregend.
Umso aufregender, dass sich im Bewusstsein der Menschen wieder einmal nichts getan hat. Reduziert auf die zwischenmenschliche Interaktion der Protagonisten Spooner und Calvin hätte das Filmchen auch gut 1984 spielen können. Die Psychologin Dr. Calvin kommt als verkopfte Rationalistin daher und scheint emanzipatorisch knietief in der Vergangenheit stecken geblieben zu sein. Etwa in der Zeit, als man tatsächlich noch glaubte, eine Frau müsse für den beruflichen Erfolg noch emotionsloser und härter werden als ein Mann. Detective Spooner verkörpert in gleicher Manier den obsessiv-cholerischen Cop à la Stingray, Starsky oder Hutch, den wir aus vielen U.S. amerikanischen Filmen schon so gut kennen. Er ist geschieden, macht zynische Bemerkungen über seine Ex-Frau und geht im Zweifel lieber zum Dienst um mit der Waffe herumzuballern, als seine emotionalen Probleme zu lösen.
Nun bin ich ein verständiger Mensch und kann ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, dass Hollywood-Filme mit Stereotypen spielen und mit ermüdender Regelmäßigkeit Klischees recyceln. Schließlich wollen sie ihre Produktionskosten wieder einspielen und brauchen dafür ein großes Publikum. Doch ich hoffe sehr, dass sich die Menschheit in den nächsten 27 Jahren nicht nur technologisch, sondern auch geistig, sozial und emotional weiterentwickelt. In meiner ganz persönlichen Zukunftsvision nämlich spielen Emanzipationsfragen überhaupt keine Rolle mehr und psychisch labile Männer tun nicht weiterhin Dienst an der Waffe. Der bereits heute spürbare Wertewandel in der Arbeitswelt kann hoffentlich bald dazu beitragen, dass das menschliche Wohlbefinden höher bewertet wird, als Produktivität und Profit. Wieso nur findet dergleichen Social Fiction so selten den Weg ins Hollywood-Kino?
Labels: Gedankensplitter, Utopien
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